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Beifall und Diskussionen

Written by  16 Jan 2012
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Heute ist Dakar zum Normalzustand der Stadt zurückgekehrt. Alle haben es endlich geschafft, von der Zeremonie aus Touba zurückzukehren.Die gestern noch menschenleeren Strassen sind wieder voll und mit Autos vollgestopft,und auch der Geruch ist wieder da, diese unverwechselbare Mischung aus Staub und Diesel.

Auch die Kinder betteln wieder, allerdings darf man ihnen auf keinen Fall etwas geben! Es ist leider immer noch so, dass viele Eltern, die sich eine Schule nicht leisten können, oder noch nicht mal ihre Kinder anständig ernähren können, diese als talibe, als Koranschüler (denn nichts anderes heisst taliban)zu einem Marabu, also Gelehrten geben. Anstatt diese zu unterrichten, schickt er sie allerdings zum Betteln auf die Strasse und nimm natürlich abends alles wieder weg. Obwohl die Eltern das wissen und missbilligen, belibt diese Praxis erhalten. Wie in Indien gilt also auch hier die Regel: Wer etwas geben will, sollte den Betrag einer Organisation übergeben, die sorgt dann ( hoffentlich) dafür, dass das Geld ankommt.

Gestern habe ich mich mt Djiby und seinem Koraspieler Ndo getroffen. Djiby sagte mir, dass die griots, also die Musikerkaste strengenommen nur zwei, allerdings weitverzweigte Familien sind, die Di und die Kouyates.Dabei scheinen die Kouyates die Höherstehenden zu sein, denn Djiby sagt, dass , wenn Mitglieder der zwei Familien sich treffen, immer die Diabates für die Kouyates spielen, nie umgekehrt. Auf meine Frage, was die Kouyates denn dann machen, meinte er, die würden die Diabates dann segnen, so gehts auch.

Heute ging es dann mit Norbert Hausen und dem alten blinden Musiker Mansour Seck ins Fernsehstudio. Mansour ist ein Mitglied des Stammes der Peul und ein pur traditioneller Musiker. Die Sendung war für 16 Uhr angesetzt, aber natürlich war das nicht so ernst zu nehmen.So sassen wir also fast zwei Stunden lang herum und es entspann sich eine äusserst interessante Diskussion.Beteiligt waren ausser mir ein Schriftsteller und Metzo Diatah, ein Sänger und Musiker. Dieser meinte, dass Problem der afrikanischen Musik im Moment sei, dass alle bekannten Musiker wie Youssou N'dour oder Salif Keita zwar hervorragende Sänger, seien, aber keine Komponisten seien und eigentlich nur das alte griot-Repertoire wiederholen würden. Mit anderen Worten, die Musik stehe still, es entwickele sich nichts Neues! Der Schriftsteller stimmte ihm zu und dann fragten mich beide, wie das denn in Europa sei. Die anschliessende Diskussion darüber war sehr belohnend für mich und hat mir wieder gezeigt, wie wichtig es ist, dass sich die Kulturen miteinander auseinandersetzen. Für mich war es faszinierend, mit diesen beiden herausragenden Vertetern ihre Kulturen zu sprechen, ich habe mit beiden frei von der Leber weg über meine Eindrücke z.B. ü ber die Kolonisation 2.0 und anderes zu sprechen. Eigentlich, hätte diese Diskussion im TV übertragen werden, da stimmten alle überein. Wie schön, hier und zufällig Brüder im Geiste zu treffen!

Die Sendung selbst dann habe ich nicht mehr mitbekommen, denn nach 2 Stunden warten hiess es,die Sendung fange bald an, und Mansour, mit dem ich da war, käme nach 2 weiteren Stunden an die Reihe. Da ich gleich noch zum Konzert will, bin ich dann zu Fuss quer durch die Stadt zu meinem Hotel zurückgegangen.

Morgen fliege ich nach Noukchott in Mauretanien. Dort treffe ich die Sängerin Malouma, dort ein Star, und ihren musikalischen Direktor Ali Ndau, darauf freue ich mich!

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