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Bamako- kopfüber in den Kessel

Written by  24 Jan 2012
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Nachdem ich am Sonntag abend in Bamako angekommen war, hat mich freundlicherweise Herr Kahnert, der örtliche Repräsentant des Goethe-Instituts aufgesucht. Montag um 11Uhr hat mich dann Djele Madou besucht. Er spielt die tama, eine nur ca vierzig cm grosse talking drum, die unter die linke Achselhöhle geklemmt wird. sie wird mit beiden Händen angeschlagen, wobei die rechte Hannd einen Stock hält. Die Tonhöhe wird durch Druck auf die Trommel selbst verändert. Djele hat mich zu sich nachhause auf seinem Moped zum Essen mitgenommen. Vorher haben wir die Familie seiner Grossmutter besucht. Diese war früher die beste und bekannteste Sängerin Malis. Obwohl sie schon über achtzig Jahre alt ist, hat sie noch eine schöne, kräftige Stimme und hat mir einige traditionelle Lieder vorgesungen.

Danach gings weiter zu Djeles Heim. Es gab leckeres Mafe, Reis mit Fleisch und Fisch und Sauce aus Tomaten, Auberginen und Zwiebeln. Djeles Frau Mba ist eine Sängerin, die gerade ihren Weg macht, sie hat eine eigene CD aufgenommen, singt aber auch in der Band des berühmten Sängers Salif Keita. Gemeinsam haben wir uns ein Video Djeles und Mbas eigener Band angesehen. Diese besteht aus 7 Perkussionisten und Mba, der Sängerin und hat gerade einen Wettbewerb gewonnen. Djele sagte mir, dass dies die eigentlich traditionelle Musik Bamakos ist, die eben mit Tama und Stimme gemacht wird. Andere Instrumente wie Kora und Ballaphon kommen aus anderen Regionen, haben aber inzwischen Eingang in die Musik von Bamako gefunden.

Nach einem kurzen Besuch in seinem Proberaum sind wir dann mit dem Moped etwa dreissig km ausserhalb Bamakos gefahren. Dort gab es eine grosse Taufe zu feiern. Obwohl die Familie des Kindes nicht besonders reich ist, sind es doch griots aus der Diabate-Familie, und so waren Hunderte von Besuchern, zumeist griots gekommen. Den ganzen Nachmittag wurde gespielt, gesungen, geredet. Ich war der einzige Toubab und die Sensation bei den Kindern.

Bamako ist mit Dakar nicht zu vergleichen, hier ist Afrika. Die Menschen sind unglaublich offen und freundlich, und sobald man sich als Musiker zu erkennen gibt, stehen einem alle Türen offen. Man kann einfach jeden auf der Strasse ansprechen und erhält eine positive Reaktion. Hier sollte man deutsche Neonazis und Rassisten auf der Strasse aussetzen und sie selber erfahren lassen, dass ihre Haltung vollkommen ohne Grundlage ist!

Djele hat mich dann zum Hotel zurückgebracht und ich bin vollgestopft mit Bildern und Tönen sofort eingeschlafen. In einer Stunde kommt er wieder vorbei, dann gehts weiter, morgen mehr!

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