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Die Stadt der Winde

Written by  18 Jan 2012
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Wenn man sich Nouakchott aus der Luft nähert, erkennt man zunächst gar nicht, dass es sich um eine menschliche Siedlung handelt. Erst die annähernde Regelmässigkeit lässt einen erkennen, dass die etwas dunkleren Strukturen in der Sandwüste tatsächlich eine Stadt sind, die Stadt der Winde. Nachdem ich gestern mittag dort angekommen bin, habe ich Einheimische gefragt, was man hier tun oder besichtigen könne? Die Antwort- nach längerem Nachdenken- war: Nichts.

Trotzdem habe ich mich gleich nach der Landung hier wohlgefühlt, und bis jetzt hat nichts meine Meinung geändert. Die Leute hier sind unglaublich offen und freundlich, bei einem Spaziergang gestern habe ich mit Gott und der Welt palavert.Touristisch gibt es hier wirklich nichts, noch nicht mal Touristen, und in meinem Hotel bin ich ganz allein.

Alles hier ist superrelaxed, man findet stets Zeit, anzuhalten und mit dem Gegenüber ein paar Worte zu wechseln. Abends dann liegt die Stadt weitgehend im Dunkeln, Clubs und Discos wird man hier vergeblich suchen, die Regierung hat alles geschlossen, wegen der " mauvaises filles" die sich dort versammeln würden, so hat man mir gesagt.

Gestern abend bin ich ins Institut Francais gegangen, wo ein Peul-Sänger namens Hammady mit seiner Gruppe auftrat. Bis jetzt hat mich diese Musik am meisten gepackt! Nach dem Konzert habe ich mit ihm und seinen Musikern gesprochen und wir haben festgestellet, dass wir gemeinsame Freunde haben, die Welt der Musik ist klein! Er ist auf jeden Fall ein sehr interessanter, noch junger Musiker, mit dem ich mich für morgen verabredet habe. Der Direktor des IF, den ich gestern gesprochen habe, ist von der Idee des BujazzO-Projektes sehr angetan und hat mir seine Zusammenarbeit mit Rat und Tat angeboten. Gleich habe ich ein Treffen mit Anja Niang von der Deutschen Botschaft, die des öfteren mit dem IF zusammenarbeitet, da werden wir sicher etwas auf die Beine stellen, denn hier will ich unbedingt ein Konzert machen!

Jetzt aber warte ich auf Ali Ndao, den musikalischen Direktor und Gitarristen der mauretanischen Diva Malouma, die mich heute abend zum Essen eingeladen hat. Maloumas Musik ist kraftvoll und wild, genau mein Fall. Sie hat sich schon immer für die Rechte ihres Volkes eingesetzt, in ihrer Musik und im täglichen Leben.Inzwischen ist sie Senatorin geworden. Bin sehr gespannt auf das Treffen!

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