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Nachts in Dakar

Written by  15 Jan 2012
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Das Nachtleben in Dakar und damit auch die Livemusik beginnt spät. Konzerte sind im allgemeinen für 22 Uhr angesetzt, fangen aber selten vor 23.30 Uhr an. Dann spielen die Musiker ca 2 Stunden. Danach geht das Discoleben los bis zum Morgen. 

Von mir hat das schon den ersten Tribut gefordert, gestern war ich total erledigt. Aber der Reihe nach: Am Freitag habe ich gleich zwei Konzerte besucht, beide durchgeführt von Musikern mit dem Namen Faye. Zunächst ging es in das Casino du Cap Vert, eine äusserst entspannte Mischung aus Spielhölle, Bordell und Musikclub. Alle Aktivitäten laufen nebeneinander ab, alles ist cool, keine Anmache. Dort spielte Vieux Mac Faye, ein Gitarrist und Sänger mit seiner Band, leider grauenhaftes Zeug a la "In the Ghetto" und Ähnliches. Der finanzielle Druck auf Musiker hier ist immens, so dass viele gezwungen sind, sich quasi zu verwestlichen in ihrer Musik. Dabei sitzen in solchen Etablissements kaum Weisse, sondern Afrikaner, für die es eben chic ist, Westliches zu hören.Auf mich wirkt das ein wenig wie Kolonisation 2.0....

Spät am Abend ging es ins Balajo, wo Souleyman Faye auftrat . Der allerdings spielte seine eigene Musik. Er ist bekannt für sein erratisches Auftreten, an diesem Abend allerdings gabs -immer noch wegen des vergangenen Feiertags- wenig Publikum und die Musiker waren müde und nicht besonders motiviert. Dennoch schön, wieder Originales zu hören.

Am Samstagmorgen kam dann ein Anruf von Djiby Diabate, der mir mitteilte, dass aufgrund der vielen Stromausfälle der Studiocomputer abgestürzt sei, alles auf ein neues Gerät überspielt werden müsse und die geplante Aufnahme auf Montag verschoben worden sei. Er kam dann ins Hotel, wo ich ziemlich müde auf ihn wartete. Wir haben dann gemeinsam Musik gehört und ich habe mit ihm über mein Projekt mit dem BuJazzO gesprochen. Obwohl ich ihm sofort und ganz klar gesagt habe, dass ich bis jetzt noch keine Partner gefunden hätte und auch erst am Anfang meiner Suche stünde, war er sehr interessiert. Heute morgen hat er schon um 8 Uhr angerufen und kommt mich besuchen. Gestern hat er mir von einer Sängerin, auch eine Griotte, erzählt, die wir heute besuchen wollen.Auch haben wir seinen Freund Ousmane besucht, einen Perkussionisten, der in der Innenstadt ein kleines Musikgeschäft( das heisst, vier Quadratmeter auf dem Bürgersteig) hat. Wir haben eine wenig zusammen gejammt( er hatte ein Yamahakeyboard mit kleinen Tasten) und dann hat er Djiby gebeten, verschiedene Musikstile der Stämme anzuspielen , um mir die Unterschiede zu demonstrieren. Malinke, Balante, Peul sind einige der Völker, die jeweils unterschiedlich Stile produzieren, sehr interessant! Djiby als Griot hat das natürlich alles drauf, als er ein Stück im Stil der Casamance( eine Provinz im Süden Senegals an der Grenze zu Guinea-Bissau) spielte, hielt gleich jemand an, der von dort zu Besuch kam und freute sich ungemein! Danach bin ich zurück in mein Hotel und habe erstmal 12 Stunden geschlafen.

Heute war eigentlich der Besuch einer Hochzeit vereinbart, aber Djiby hat mir gerade am Telefon gesagt, diese sei abgesagt...

Gestern habe ich mit Aly Keita korrespondiert, der gerade in Paris mit Maryam und Amadou, dem malischen Musikerpaar, auftritt. Die beiden wären für das BujazzO die ideale Besetzung! Leider sind sie Stars und bestimmt zu teuer. Fragen werde ich aber trotzdem, denn ein Nein haben wir sowieso sagte mein Freund Thomas Wördehoff in solchen Fällen immer!

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