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01.10.2013

Gestern Nachmittag bin ich in Beirut angekommen. Auf Einladung der Deutschen Botschaft sollen mein Partner Djiby Diabate und ich anlässlich der Feier zum Tag der Deutschen Einheit eine Interpretation der deutschen und der libanesischen Nationalhymne aufführen. Am Tag darauf ist ein Konzert im Französischen Kulturinstitut geplant. Eine Woche darf ich bleiben und wohne in der Residenz des Botschafters. Diese liegt auf einem Hügel im Süden von Beirut und bietet einen atemberaubenden Ausblick über das Mittelmeer und die Stadt. Es gibt ein Klavier im Haus und ich habe mir meinen lang gehegten Traum erfüllt und den ganzen Nachmittag angesichts des Meeres gespielt, das ist mir noch nie gelungen! Jetzt sitze ich ganz entspannt und glücklich auf der Terrasse und schaue in die untergehende Sonne, die majestätisch ins Meer eintaucht, wie jeden Tag übrigens. Djibys Reise von Dakar hierher stellt sich offenbar nicht so einfach dar. Anscheinend gab es ein Problem mit seinem Ticket und er ist noch nicht da! Die Botschaft versucht frenetisch, etwas zu organisieren, aber wahrscheinlich wird Djiby erst zwei Stunden vor unserem ersten Konzert landen. Dabei war alles so gut geplant, wir wollten tüchtig proben und unser Repertoire in Bezug auf unsere nächste Platte erweitern. Hoffentlich kommt er überhaupt! Als Kölner bin ich ja prädestiniert für afrikanische Verhältnisse, der Spruch " Et hätt noch emmer jot jejange" hätte auch von einem Afrikaner geprägt worden sein, genau wie " Et kütt wie et kütt". Über Beirut selbst kann ich noch nicht viel sagen. Es ist mein erstes Mal im Nahen Osten (wenn man eine Studentenreise durch Israel vor mehr Jahren, als ich zuzugeben bereit bin, nicht mitzählt) und war erst gestern Abend und heute morgen in der Stadt. Es scheint fast ein Klischee zu sein, aber ich fühle eine Spannung in den Menschen, die mir aus Europa und Afrika unbekannt ist. Verschiedene Deutsche, mit denen ich heute gesprochen habe, bestätigen mir mein Gefühl. Der Libanon ist seit der Vertreibung der Armenier aus ihrer Heimat 1916 Anlaufpunkt für Flüchtlinge, und die eigentlich libanesische Bevölkerung ist in der Minderzahl, man übertrage das mal auf Deutschland! Und dennoch kommen die Libanesen irgendwie damit klar, was sollen sie auch sonst machen. Die Stadt hat sich wiederum mehr dem Westen geöffnet, fast in einer Trotzreaktion, wie mir einer meiner Gesprächspartner sagte. Es gibt keine offensichtliche Armut wie in afrikanischen oder indischen Großstädten, viele Preise sind in Dollar angeschlagen und die Porsche - Dichte in der Stadt ist sicher höher als in Deutschland. Israel liegt nebenan und ist der Feind, genau wie umgekehrt, eine Versöhnung scheint mir in weitester Ferne zu liegen, Diskussionen über das Thema sind schwer vermint und so gut wie unmöglich. Ich habe mir vorgenommen, so wenig Urteile zu fällen, wie es mir möglich ist, ein Unterfangen, von dem die Leser meines Blogs wissen, dass es zum Scheitern verurteilt ist....Aber ich werde es versuchen und weiter berichten!

Read 11642 times Last modified on Dienstag, 01 Oktober 2013 16:49

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